Die Damen – Rückblick: Turbulente Hinrunde bringt Höhen und Tiefen

BV Westfalia Wickede: Hallo Christian, pünktlich zur Winterpause wollen wir einmal gemeinsam auf die Hinrunde zurückblicken. Nachdem ihr das erste Spiel gegen Herne 2:0 gewonnen habt, ging es ergebnistechnisch immer weiter bergab. Am fünften Spieltag wart ihr bis auf den 13. Platz gefallen. Was war da los?

Christian Mierswa: Tja, kurz gesagt: „Haste Scheiße am Schuhe, haste Scheiße am Schuh“. Im ersten Spiel waren wir natürlich total motiviert und konzentriert. Wir wollten Herne unbedingt schlagen, weil wir aus dem letzten Jahr noch eine Rechnung offen hatten. Danach hatten wir vor allem Pech im Abschluss. Wir hatten zahlreiche Chancen in vielen Spielen, konnten aber nicht einmal richtig das Tor treffen. Dann kam hinzu, dass die Gegner unsere Fehler eiskalt ausgenutzt haben. Besonders bitter war nach den ersten zwei Niederlagen das Remis beim Hammerthaler SV. Mit dem Schlusspfiff haben wir noch das Gegentor zum 2:2 kassiert. Solche Misserfolge setzen sich natürlich in den Köpfen der Mädels fest. Wir haben uns selbst in dieses Loch manövriert und verpassten es so Woche für Woche die drei Punkte mitzunehmen. Bis dann das Spiel gegen Ahlen kam.

BV Westfalia Wickede: Gut, dass du es gerade ansprichst. Am siebten Spieltag wendete sich dann endlich das Blatt für euch und eine Siegesserie begann. Ganze sechs Spiele in Folge konntet ihr für euch entscheiden und damit auf Platz 5 klettern. Was habt ihr so plötzlich anders gemacht?

Christian Mierswa: Eigentlich haben wir gar nichts anders gemacht. Wir haben konzertiert weiter trainiert. Ich habe mir ein bisschen Hilfe von einem Trainerkollegen geholt, der in ein paar Einheiten etwas Lockerheit und neuen Schwung reingebracht hat. So konnte ich mir die Zeit nehmen intensiver mit meinen Spielerinnen zu sprechen und in sie hineinzuhorchen, was bei ihnen im Kopf vorgeht oder was ihnen auf dem Herzen liegt. Ich denke diese Zeit hat uns sehr gut getan. Das erste Spiel, bei dem endlich wieder alles klappte, war wie gesagt gegen Rot-Weiß Ahlen. Es war zwar ein richtiger Kampf, aber es hat uns gezeigt, dass wir immer noch eine sehr gute Mannschaft sind, die auch Fußball spielen kann. Das hat dem Team geholfen, wieder an sich zu glauben. Der Zusammenhalt war wieder da und der zeigte sich gerade am Anfang dieser Erfolgsserie. Unsere Torfrau fiel verletzungsbedingt für einige Wochen aus. Also mussten wir in drei Spielen drei verschiedene Feldspielerinnen ins Tor stellen und das ließ die Mannschaft noch enger zusammenrücken. Es wurde wieder füreinander gelaufen und gekämpft. Dadurch kam zum Glück die Wende.

BV Westfalia Wickede: Das hört sich gut an. So eine positive Wendung lässt den schlechten Start schnell vergessen. Auch tabellentechnisch sieht es bei euch nun wieder besser aus. Weißt du, was der Vorstand zu eurer derzeitigen Situation sagt?

Christian Mierswa: Der Vorstand hat uns ein klares Signal gegeben: Er sieht erstmal kein sportliches Ziel. Er macht uns keinen Druck auf eine feste Platzierung sondern möchte einfach, dass die Mannschaft funktioniert. Sie soll eine Einheit bleiben und nicht auseinander fallen, denn der Verein musste sich vor der Saison schon von zwei Seniorenmannschaften verabschieden. Wir wissen alle, dass nach so einer Negativserie, schnell ein Umschwung kommen kann, aber das ist uns zum Glück erspart geblieben. Denn auch in dieser Zeit standen sie hinter uns. Da wir als Frauenteam nun unsere Geschicke selbst in der Hand haben, ist der Kontakt zum Vorstand natürlich viel enger geworden und damit hat sich, finde ich, auch die Harmonie verbessert im Gegensatz zum letzten Jahr. Es macht auf jeden Fall viel Spaß mit diesen Leuten zu arbeiten. Der Vorstand schenkt uns in vielen Dingen sein Vertrauen. Von daher können wir weiter unser Ding durchziehen.

BV Westfalia Wickede: Das sind ja beste Voraussetzungen. Das neue Jahr beginnt für euch gleich mit einer englischen Woche. Zum Auftakt fahrt ihr nach Heeren und spielt am Mittwoch darauf gleich im Pokal gegen Dorstfeld, die in der Landesliga zurzeit den siebten Platz bekleiden. Wirst du versuchen in der Vorbereitung etwas anders zu machen, um einem erneuten Tief zu Beginn der Spielzeit vorzubeugen?

Christian Mierswa: Diese zwei Spiele sind aus meiner Sicht Bonusspiele, die wir gerne mitnehmen bzw. mitnehmen müssen. Ernst wird es dann wieder gegen den Hammerthaler SV am Sonntag darauf, denn dort müssen wir wieder Punkte sammeln, um dahin zu kommen, wo wir gerne hin möchten. Dennoch sind wir nicht chancenlos in diesen zwei Spielen. Heeren ist für mich ganz klar Favorit auf die Meisterschaft, aber wir haben im Hinspiel auch schon gezeigt, dass wir mithalten können. Zwar haben wir 3:0 bei uns verloren, haben aber dennoch in der ersten Halbzeit gezeigt, dass wir sehr gut dagegen halten können. Am Ende fehlten uns leider die Kräfte. Doch auch Heeren ist keine Übermannschaft. Brechten hat es vorgemacht: Heeren ist schlagbar. Daher gehe ich stark davon aus, dass wir ihnen auch in Rückspiel Paroli bieten können. Das Pokalspiel ist für uns auch ein Bonus. Wir stehen wieder im Halbfinale. Letztes Mal war es Lüdo, jetzt ist es Dorstfeld. Sie werden natürlich mit einem gewaltigen Schwung aus der Winterpause kommen, da dort gerade ein Trainerwechsel stattgefunden hat. Aber hierauf werde ich die Mannschaft vorbereiten. Ich stelle ein wenig den Vorbereitungsablauf um. Wir werden in den ersten Wochen die Grundausdauer und Schnelligkeit erarbeiten, was im Sommer anders gelaufen ist. Da sollten die Spielerinnen das individuell im Vorfeld machen. Das hat nicht so gut geklappt. Aber auch aus solchen Fehlern lernt man. Wir bauen es jetzt ins Training ein. Danach werden wir dann einige Fehler aus der Hinrunde herausarbeiten, um uns in den Punkten zu verbessern. Wir haben beispielsweise zu viele Tore nach Ecken bekommen. Das werden wir versuchen abzustellen. Erst danach werden wir in die Testspiele einsteigen und dann sehen wir, wo wir stehen.

BV Westfalia Wickede: Vielen Dank Christian. Wir wünschen euch und euren Familien ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Nehmt euch die Zeit, die Köpfe zu befreien, damit ihr im neuen Jahr wieder mit vollem Elan angreifen könnt. Bis dahin alles Gute und Ball hoi!

Updated: 21. Dezember 2018 — 11:05
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